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Bad Freienwalde als Kunstmuseum

 

Steffen Göttmann 13.08.2010, Bad Freienwalde (moz)

Auf Initiative von Abed Abdi aus Haifa (Israel) und Elke Brämer vom Verein Spielbau haben sich in Bad Freienwalde vier deutsche und drei israelische Bildhauer zu einem Symposium zusammengefunden. Die Künstler arbeiten auf dem Gelände des Vereins Spielbau an der Sonnenburger Straße und tauschen gegenseitig Erfahrungen aus. Zwei israelische Künstler wollen zwei große Arbeiten schaffen, mit denen sie ihre Verbindung zu Bad Freienwalde dokumentieren wollen und die in der Stadt aufgestellt werden sollen. Die ersten Entwürfe liegen vor.

 

Hava Gillon will eine Art Palisadenzaun bauen, der jedoch nicht gerade ist, sondern den Grundriss einer Welle beschreibt. Der Betrachter soll um die Skulptur herumgehen können. In die Holzpfähle aus Robinienholz werden Keramikbruchstücke eingefügt, die die Profile (Skyline) der Städte Haifa und Bad Freienwalde beschreiben. Für das Profil der israelischen Stadt möchte die Künstlerin die Bruchstücke mit typischen Mustern dortiger Gebrauchskeramik bemalen. Für die Keramikstücke, die das Freienwalder Profil bilden, wählt sie ein Muster von Gebrauchskeramik aus dem Oderbruch. Zusammen mit Elke Brämer hat sie bereits Bücher darüber gewälzt.

Die Künstlerin ist jüdischer Herkunft. Ihre Vorfahren waren um 1900 aus Osteuropa ausgewandert und nach Südafrika gezogen. Dort wurde Hava Gillon vor 63 Jahren geboren. Inzwischen lebt sie in Haifa. „Ich war schon mal als Touristin in Deutschland, zum Arbeiten bin ich das erste Mal hier“, sagte sie. Den Aufenthalt auf dem Gelände des Vereins Spielbau, das mitten im Wald liegt, genießt sie sehr. Robinienholz hat sie deshalb gewählt, weil es bei Spielbau in großem Umfang zur Verfügung steht. Der Verein fertigt daraus Baumhäuser und Mobiliar für Spielplätze. Das fertige Kunstwerk könnte auf einem Platz in Bad Freienwalde aufgestellt werden, wenn die Stadt es denn will.

Der Kontakt zu Elke Brämer kam über Abed Abdi, Israeli palästinensischer Herkunft zustande. „Wir haben uns bei einem Jugendaustausch in Haifa kennengelernt“, berichtet Elke Brämer, die seit vielen Jahren den Kontakt nach Israel pflegt. Abed Abdi sei zum dritten Mal in Bad Freienwalde und habe schon am Festival der Sichtkunst am Vorabend des Altstadtfestes teilgenommen, so die Bildhauerin, Fotografin und Malerin.

Jetzt ist der 67-Jährige auch wieder mit dabei. Abed Abdi spricht gut deutsch, er studierte an der Hochschule der Künste in Dresden. „In Haifa hat er ein Riesenprojekt mit 70 Künstlern auf die Beine gestellt“, erzählt Elke Brämer. In Haifa leben Israelis, jüdischer und palästinensischer Herkunft, Haustür an Haustür. An dem Projekt nahm auch die Falkenberger Künstlerin teil. Die Werke seien teilweise von der Stadt Haifa aufgekauft worden, sie schmücken Häuser und öffentliche Plätze. Abed Abdi hofft, dass dies auch in Bad Freienwalde möglich sei. Der Einwand, dass deutsche Städte finanziell klamm sind, will er nicht gelten lassen. Die Stadt Haifa, mit 220 000 Einwohnern eine Großstadt, sei auch nicht wohlhabend. „Sie gibt damit den Bürgern einen Teil der Steuern wieder zurück“, argumentiert er. Allerdings zahlen die Bürger dort direkt Steuern an die Stadt.

 

Abed Abdis’ Entwurf sieht eine Skulptur aus drei Robinienstämmen vor, die oben mit Kupferdraht zusammengebunden werden. Die Stämme verkörpern die Länder Deutschland, Israel und Polen, stehen auf miteinander verbundenen Keramikelementen. Auch diese Skulptur soll in Bad Freienwalde aufgestellt werden, so der Wunsch des Künstlers.

Die deutschen Künstler Elke Brämer, Frank Hartung und Lutz Leitner aus Berlin sowie Peter Hayn aus Lüdersdorf bei Oderberg nutzen das Symposium, das von der Ostdeutschen Sparkassenstiftung unterstützt wird, um an ihren Werken zu arbeiten und sich dabei auszutauschen. Peter Hayn, der hauptsächlich Druckgrafiken und Radierungen herstellt, experimentiert beim Symposium erstmals mit Holzschnitten. Dies sei für ihn ein neues Material, so der Künstler.

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